die goldene ZEIT-SCHRIFT

Die goldene Zeit-Schrift

Kreativ im Team

Michaela Mainer, MA

KreativitätMehr denn je wird in Organisationen der Ruf nach kreativen Köpfen laut, die möglichst ad hoc Lösungen für anstehende Probleme aus dem Hut zaubern können. Gerne werden dazu auch Projektteams gebildet und es wird erwartet, dass die Teammitglieder sich gegenseitig inspirieren und gemeinsam neue Ideen, innovative Produkte oder Dienstleistungen entwickeln oder gar komplexe gesellschaftliche Probleme auf kreative Art und Weise lösen. Mit dem so beliebten Brainstorming stoßen Kreativteams jedoch schnell an ihre Grenzen. Damit in Teams tatsächlich bessere und kreativere Lösungen entstehen können, als im Kopf eines Einzelnen, bedarf es der Berücksichtigung von gruppendynamischen Prozessen ebenso wie von Erkenntnissen der Neurobiologie darüber, wie Kreativität funktioniert.

Gemeinsames Wissen schafft Kreativität

Der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Manfred Spitzer erläutert in seinem Vortrag am Kommunikationskongress 2012 zum Thema „Ist Kreativitat erlernbar?“ (http://www.youtube.com/watch?v=bv16azw2MVo), dass Kreativität nicht etwa bedeutet, aus dem völligen Nichts etwas völlig Neues zu schaffen. Stattdessen greifen kreative Menschen auf ihr vorhandenes Wissen zurück und „verknüpfen“ bisher nicht miteinander verbundene Informationen auf neue Art und Weise: sie stellen Sinnbezüge durch freie Assoziationen her und füllen damit die Lücke zwischen bisher noch nicht sinnvoll miteinander verbundenen oder logisch aufeinander bezogenen Gegebenheiten. Kreative Köpfe haben also ganz viel Wissen im Kopf, so Spitzer, doch erst neue VERKNÜPFUNGEN machen den kreativen Einfall aus.

Es scheint nun naheliegend, dass Teams durch die Verknüpfung des Wissens von mehreren Personen automatisch mehr Ideen generieren können. Doch wie können Teams die verschiedenen Wissensbestände ihrer Mitglieder anzapfen und miteinander zu neuen, kreativen Lösungen verbinden? Wie können alte, möglicherweise durch organisationale Routinen eingefahrene Denkmuster aufgebrochen und damit der kreative Funke nicht nur im Gehirn einzelner, sondern der kreative „Teamfunke“ entzündet werden?

Ein besonders wichtiger Aspekt und Erfolgskriterium für die Ideenfindung im Team ist das kontinuierliche Setzten von Impulsen, sodass ein Thema oder eine Problemstellung immer wieder unter einem neuen Blickwinkel beleuchtet werden kann, bisher nicht miteinander in Zusammenhang gebrachte Wissensbestände vernetzt und damit neue Ideen generiert werden können. Die Impulse können zum Beispiel in Form von Analogien, Reizwörtern- oder Bildern gesetzt werden, die völlig unabhängig von der eigentlichen Problemstellung ausgewählt werden und dadurch zu neuen gedanklichen Verknüpfungen anregen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Teammitglieder in verschiedene Rollen schlüpfen zu lassen, wie etwa bei der Walt-Disney-Methode oder der 6-Hüte-Methode, einer Weiterentwicklung der Walt-Disney-Methode durch Edward De Bono. Schließlich bieten auch paradoxe Fragestellungen oder Herangehensweisen eine ausgezeichnete Möglichkeit, eingefahrene Denkstrukturen aufzuweichen und neue Lösungshorizonte zu eröffnen.

Kreativ im Kopfstand

Ein Beispiel hierfür ist die bei meinen SeminarteilnehmerInnen besonders beliebte Kopfstandtechnik, die auch als Flip-Flop-Technik bekannt ist. Dabei wird zunächst eine Frage, eine Aufgabe oder ein Problem definiert und sodann ins Gegenteil umgewandelt und damit regelrecht auf den Kopf gestellt. Für die „verkehrte“ Aufgabe werden im nächsten Schritt – möglicherweise auch unter Einsatz anderer Kreativitätstechniken – gemeinsam Lösungsideen entwickelt. Hat das Team für die „verkehrte“ Aufgabe einige Lösungen gefunden, so werden diese verkehrten Lösungen schließlich wieder vom Kopf zurück auf die Füße gestellt (also wieder ins Gegenteil umgekehrt), um die eigentliche Aufgaben- oder Problemstellung zu beantworten. Hier ein kurzes Beispiel zur Veranschaulichung:

Aufgabe: Wie können wir unseren Arbeitsalltag entspannter gestalten?

Die auf den Kopf gestellte, verkehrte Aufgabe lautet: Wie können wir unseren Arbeitsalltag noch stressiger gestalten?

Lösungsideen für die verkehrte Aufgabe:

  • Uns gegenseitig mit noch mehr E-Mails überhäufen
  • Pausen kürzen, in den Pausen nur nörgeln
  • Termine dicht an dicht planen

Umkehrung der Lösungsideen:

  • Wir schicken uns intern nur jene Informationen per E-Mail weiter, die wirklich jede/r haben muss, die für jede/n relevant sind (Basierend auf dieser Idee können dann beispielsweise noch weitere Ideen entwickelt werden, um die Informationsflut zu reduzieren)
  • Wir achten auf ausreichend Pausen und nutzen diese bewusst dafür, neue Energie zu tanken, z.B. indem wir gemeinsam Körper- oder Entspannungsübungen machen.
  • Wir planen zwischen unseren Terminen ausreichend Pufferzeiten und Zeiten für administrative Tätigkeiten ein

In meinen Kreativitätsseminaren haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, diese und viele weitere erprobte Kreativitätstechniken zur Moderation von Ideenfindungs- und Problemlösungsprozessen in Gruppen- und Teamsitzungen kennenzulernen und anhand eigener Fragestellungen auszuprobieren. Wir besprechen dabei auch mögliche Kreativitätsblockaden sowie Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für kreative Teams und wecken durch eine Phantasiereise zum persönlichen kreativen Raum unser individuelles kreatives Potential.

 

Zu meiner Person:

Ich bin Organisationssoziologin und freiberufliche Trainerin in der Erwachsenenbildung mit vielfältigem Ausbildungshintergrund. Meine Seminarschwerpunkte liegen im Bereich Kreativitätstechniken für Teams, Burnout- und Stressprävention, Achtsame Selbstführung und Beziehungsgestaltung (auch für Führungskräfte), Lebens- und Rollenbalance sowie Präsentations- und Trainingstechniken. Weiters biete ich Moderation von Ideen- oder Problemlösungsworkshops an, um Teams bei der Entwicklung innovativer Lösungen zu unterstützen und zu begleiten.

Kontakt:

E-Mail: info@michaela-mainer.at

Internet: www.michaela-mainer.at

 

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